Seit zehn Jahren lebe ich in Dénia und sehe jeden Sommer dieselben Touristen vor denselben Restaurants in denselben Straßen Schlange stehen. Ich kann es ihnen nicht verdenken — Dénia ist wirklich wunderbar. Aber der Ort belohnt die Neugierigen: die, die dem Küstenpfad ein Stückchen weiter folgen, am Hafen rechts statt links abbiegen, oder die Obstfrau fragen, wo sie zu Mittag isst. Der Juni ist ehrlich gesagt der beste Monat, um diese Orte zu entdecken — die großen Massen sind noch nicht da, das Licht ist bis fast 22 Uhr golden, und die Einheimischen sind noch gut gelaunt.
Das sind die Geheimtipps, die ich wirklich liebe und die in keinem Reiseführer auftauchen.
1. Cala Marineta — Der Strand, der den Fußmarsch belohnt
Jeder kennt Les Rotes. Weit weniger gehen weiter südlich. Die Cala Marineta liegt am Ende des felsigen Küstenstreifens von Les Rotes, etwa 25 Minuten zu Fuß von der Hauptstraße entfernt. Türkisblaues klares Wasser, ein kleiner Kiesstrand, kaum Infrastruktur — genauso wie eine mediterrane Bucht sein soll. Wasser mitnehmen, festes Schuhwerk anziehen und im Juni vor 11 Uhr gehen — bis Mittag ist auch dieser Ort bei Kennern gut besucht.
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Unterkünfte ansehen →2. Der Camí de Ronda bei Sonnenuntergang
Der Camí de Ronda ist ein Küstenpfad, der sich entlang der Felsküste von Les Rotes schlängelt. Die meisten Besucher laufen nur einen kurzen Abschnitt. Geht man die gesamte Strecke von Les Deveses in Richtung Leuchtturm, erreicht man ein Kap mit dem aus meiner Sicht schönsten Sonnenuntergangsblick der gesamten Costa Blanca. Ein kaltes Bier aus einem der kleinen Läden in Les Rotes mitnehmen, auf den flachen Felsen sitzen. Besser geht's nicht.
3. Bar Nou Frontón — Eine Einheimischenkneipe, die die Zeit vergessen hat
Diese winzige Bar in der Carrer Loreto in der Altstadt existiert schon länger, als sich irgendjemand erinnern kann. Alte Männer spielen jeden Nachmittag am selben Tisch Karten. Der Hauswein kostet 1,20 € das Glas, und niemand sieht komisch, wenn man ihn um 12 Uhr bestellt. Vom touristischen Trubel weiter entfernt kann man kaum sein — und trotzdem ist man fünf Minuten vom Schloss entfernt. Am besten zwischen 13 und 15 Uhr, wenn die Nachbarn vor dem Mittagessen einkehren.
4. Die alten Salinen bei L'Almadrava
Vom Hafen aus nach Norden Richtung Strand L'Almadrava fahren und die Abzweigung zu den alten Salinen suchen. Im Juni sind die Flamingos noch auf der Durchreise, und das Licht zur goldenen Stunde taucht das flache Wasser in Rosa- und Kupfertöne. Es ist nicht wirklich ein Geheimnis — die Einheimischen gehen hier mit ihren Hunden spazieren — aber es taucht in keinem Touristeninhalt auf. Auf der Hauptstraße parken und zu Fuß hineingehen.
5. Der Mercado Municipal an einem Dienstagmorgen
Ja, der Markt erscheint in unserem Dénia-Reiseführer — aber dieser Tipp ist ein anderer: Dienstags um 9 Uhr in den überdachten Mercado Municipal gehen, wenn die Fischer der Dénia-Flotte den nächtlichen Fang direkt an die Fischstände liefern. Es riecht intensiv nach Meer, und das ist wunderbar. Die roten Garnelen (gamba roja) sind zu dieser Tageszeit noch lebendig. Kaufen. Mit nach Hause nehmen. Mit Salz kochen. Fertig.
6. Font Salada — Die versteckte Süßwasserquelle
Einige Kilometer nördlich von Dénia an der Küste entlang, kurz vor Oliva, gibt es einen Ort namens Font Salada, wo eine Süßwasserquelle auf das Meer trifft. Ein kleiner Strand, kühles Süßwasser und eine Strandbar (Chiringuito), die sich seit den 1980er-Jahren kaum verändert hat. Generationen von Einheimischen kommen hierher. Technisch gesehen liegt es in der Gemeinde Oliva, aber die meisten Dénia-Bewohner betrachten es als ihr eigenes. Ab Juni ist die Wassertemperatur perfekt.
7. Abendspaziergang zur Ermita de la Magdalena
Juniorabende in Dénia sind warm genug, um um 21 Uhr im T-Shirt spazieren zu gehen. Die Ermita de la Magdalena ist eine kleine Kapelle am Hang über der Altstadt, von der Burg in etwa 20 Minuten zu Fuß erreichbar. Nachts, mit der beleuchteten Stadt zu den Füßen und dem Meer in Richtung Ibiza, ist es atemberaubend. Erstaunlich wenige Touristen machen sich die Mühe — der Weg ist nicht gut ausgeschildert und die Kapelle selbst schlicht. Genau das macht es aus.
8. Els Molins Strand um 7 Uhr morgens
Els Molins ist ein schöner Strand, der im Juli überfüllt ist. Im Juni hat man ihn vor 8 Uhr morgens fast für sich. Das Morgenlicht fällt von hinten perfekt auf den Montgó. Seit Jahren schwimme ich hier früh morgens. Kaffee in der Thermoskanne mitnehmen. Im Sand sitzen. So tun als ob man hier wohnt.
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9. Cueva del Agua — Die Meereshöhle bei Les Rotes
Bei Ebbe gibt es entlang des Les-Rotes-Pfades eine Meereshöhle, die die Einheimischen schlicht Cueva del Agua nennen. Man erreicht sie über Felsen — alte Turnschuhe anziehen — und drinnen öffnet sich die Höhle zu einem Becken mit dem klarsten, grünlichsten Wasser, das man je gesehen hat. Kinder lieben es. Erwachsene auch. Technisch gesehen liegt sie sichtbar am Weg, aber man muss wissen, wo man sucht. Am besten einen Einheimischen fragen oder die Augen links halten, wenn man südlich vom Restaurantbereich in Les Rotes entlangläuft.
10. Der Aussichtspunkt Casa del Cable
Die meisten Besucher fahren zum Schloss, um Dénia von oben zu sehen — verständlich. Weit weniger kennen den kleinen Aussichtspunkt bei der alten Telegrafenkabelstation (Casa del Cable), weiter oben am Montgó-Hang. Zu erreichen per Auto über einen Schotterweg oder zu Fuß vom Ort. Von hier aus sieht man die gesamte Bucht von Dénia, die Küste des Baix Segura und an klaren Junitagen — also fast immer — die Silhouette Ibizas 85 km entfernt. Beste Zeit: 19 Uhr.
Praktische Tipps für den Juni
- Temperatur: Tageshöchstwerte von 27–30°C im Juni, noch kein drückender Hochsommer
- Meer: Rund 22–24°C — perfekt zum Schwimmen
- Besucheraufkommen: Etwa 60% des Julibetriebs — ideal für diese ruhigeren Orte
- Mobilität: Für mehrere Orte auf dieser Liste braucht man Auto oder Fahrrad — Les Deveses, Font Salada, L'Almadrava
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