Jeder glaubt, Benidorm zu kennen. Die Hochhaussilhouette, der vollgepackte Levante-Strand im Juli, die englischen Pubs in der Calle Gerona. Dieses Benidorm existiert — und es macht definitiv Spaß. Aber nach zehn Jahren auf der Costa Blanca kann ich euch versichern: Das Benidorm, das die meisten Urlauber nie entdecken, ist mindestens genauso faszinierend. September ist der perfekte Monat dafür: Die Sommermassen haben sich gelichtet, das Meer ist noch mollig warme 26°C, und die Einheimischen holen sich ihre Stadt zurück.
Hier sind meine zehn liebsten Geheimtipps — die Orte, die ich Freunden zeige, wenn sie etwas anderes sehen wollen.
1. Racó del Conill: Die Bucht, über die niemand spricht
Diese winzige Kieselbucht versteckt sich unter den Klippen am westlichen Ende des Poniente-Strands, etwa fünfzehn Minuten zu Fuß hinter dem Leuchtturm an der Punta de l'Escaleta. Keine Liegestühle, keine Strandbar, kaum Schilder. Nur kristallklares Wasser in vier Blautönen und ab und zu ein einheimischer Fischer. Am frühen Morgen habt ihr sie oft ganz für euch. Festes Schuhwerk für den Weg hinunter ist Pflicht — es ist felsig.
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Unterkünfte ansehen →2. Mittwochsmarkt in El Rincón de Loix
Jeder Urlauber landet irgendwann auf dem Dienstagmarkt an der Avenida de la Comunitat Valenciana. Aber der kleinere Mittwochsmarkt im Stadtteil El Rincón de Loix ist der, auf dem die echten Benidorm-Einwohner einkaufen. Bessere Preise bei lokalem Obst, guter Jamón und ein authentischer Einblick in den spanischen Alltag. Er endet gegen Mittag — also spätestens um 10 Uhr dort sein.
3. Mirador del Castell: Der Ausblick, der alles übertrifft
Die meisten schaffen es zum bekannten Aussichtspunkt über der Altstadt — und der ist tatsächlich spektakulär. Aber nur wenige gehen die extra zehn Minuten zu den Ruinen der Burgmauern dahinter. Von dort oben gibt es ein 360-Grad-Panorama: die gesamte Bucht von Benidorm, den Puig Campana im Landesinneren, und an klaren Septembertagen sogar die Columbretes-Inseln. Wasser einpacken, Kamera nicht vergessen, und zur goldenen Stunde gehen.
4. Bar La Cava: Tapas so, wie Einheimische sie essen
Versteckt in einer Seitengasse der Altstadt serviert die Bar La Cava seit den 1980er-Jahren großzügige Tapas-Raciones. Bestellt die Clóchinas (kleine lokale Miesmuscheln), die Boquerones en vinagre (Sardellen in Essig — der lokale Fang aus Benidorm) und was auch immer das Tagesreisgericht ist. Der Wein kommt im Tonkrug. Der Besitzer Paco spricht wenig Englisch, kommuniziert aber ausschließlich durch Zeigen auf Speisen — was perfekt funktioniert. Hauptgerichte: 8–12 Euro. Nur Barzahlung.
5. Wanderung auf den Ponoig (Der schlafende Löwe)
Die markante Bergsilhouette hinter Benidorm nennen Einheimische El Lleó — den Löwen — weil sie aus dem richtigen Winkel genau wie eine schlafende Großkatze aussieht. Der Wanderweg von La Nucía (20 Minuten Fahrt von Benidorm) auf den Gipfel auf 1.181 Metern ist anspruchsvoll, aber grandios. September ist ideal: Die Temperaturen sind erträglicher, der Sommerdunst hat sich verzogen, und der Ausblick über die gesamte Costa Blanca ist atemberaubend. Start vor 8 Uhr, 2 Liter Wasser pro Person, und den Track vorher auf Wikiloc herunterladen (Suche: Ponoig desde La Nucía).
6. Benidorm-Insel per Kajak
Natürlich kann man das Touristenboot zur Illa de Benidorm nehmen — aber sich ein Kajak oder Paddleboard an den kleinen Verleihstationen am östlichen Ende des Levante-Strands zu mieten und selbst hinüberzupaddeln ist ein völlig anderes Erlebnis. Die Insel ist Meeresschutzgebiet und das Schnorcheln rund um ihre Basis ist wirklich beeindruckend: Zackenbarsche, Goldbrassen, Oktopusse, und im September eventuell Quallen (Neopren-Shirt empfohlen). Die Überfahrt dauert bei ruhigem Wetter etwa 25 Minuten. Vorher unbedingt Wetter und Seegang prüfen.
7. Zentralmarkt am Samstagmorgen
Benidorms überdachter Lebensmittelmarkt in der Nähe des Busbahnhofs an der Calle Metge Llorca gibt es schon seit Jahrzehnten. Er riecht nach Orangen und Hartwurst, und der Fischhändler hat, was morgens frisch aus der Fischereiauktion in Villajoyosa ankam. Im September gibt es spätreife Tomaten, riesige einheimische Feigen und die ersten Herbstmandeln. Beutel mitbringen und fürs Mittagessen im Ferienhaus einkaufen.
8. Die Wandmalereien der Altstadt
Wer eine Stunde durch die engen Gassen hinter der Kirche San Jaime und Santa Ana schlendert, entdeckt eine inoffizielle Freiluft-Galerie. Lokale und durchreisende Künstler haben die alten Mauern mit eindrucksvollen Murals verziert — manche politisch, manche verspielt, manche einfach wunderschön. Es gibt keine offizielle Karte, was zum Charme gehört. Start in der Calle Esperanza und einfach durchschlängeln.
9. Cala de Mal Pas in der Abenddämmerung
Diese kleine Felsenbucht an der nördlichen Spitze des Vorgebirges zwischen den beiden Hauptstränden ist kein wirkliches Geheimnis — aber fast alle besuchen sie mittags. Kommt im September um 19:30 Uhr wieder, wenn die Sonne tief steht und das Wasser von Westen beleuchtet. Die Farben sind außergewöhnlich. Eine kleine Bar in der Nähe serviert eiskalte Clara (Bier mit Zitrone) — einfach hinsetzen und das Lichtspektakel genießen. Purer Zauber.
10. Fischmarkt Villajoyosa im Morgengrauen
Dieser Tipp führt euch technisch gesehen aus Benidorm heraus — aber nur zehn Kilometer südlich. Die Lonja in Villajoyosa startet gegen 5 Uhr morgens, und um 6 Uhr wird der Fang am Kai verkauft. Keine Touristenattraktion, ein echter Arbeitsmarkt. Hinfahren, den Profis beim Einkauf ganzer Fischersteigen zusehen, dann an den farbenfrohen Fischerhäusern an der Strandpromenade spazieren für das beste Sonnenaufgangsfoto der Costa Blanca. Rechtzeitig zurück zum Frühstück in Benidorm.
Mehr als Hotels: Ferienwohnung in Benidorm
Ehrlich gesagt: Wer in einem Großhotel übernachtet, verpasst die Hälfte dessen, was Benidorm so besonders macht. Eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus gibt euch eine Küche für die Markteinkäufe, eine Terrasse für die legendären Sonnenuntergänge und die Freiheit, nach eurem eigenen Rhythmus zu leben.
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Fazit
September ist der perfekte Monat, um das echte Benidorm zu entdecken. Das Meer ist warm, die Schlangen sind kürzer, und die Stadt gehört wieder allen — nicht nur den Hochsaisonmassen. Nehmt diese Liste als Ausgangspunkt, entdeckt eigene Geheimtipps, und ihr werdet Benidorm mit ganz anderen Augen sehen.
Habt ihr eigene Geheimtipps in Benidorm? Ab in die Kommentare — ich ergänze meine Liste laufend.



