Wer in Jávea nur den Hafen oder die Strände kennt, verpasst das eigentliche Herzstück der Stadt. Jáveas Altstadt — auf Spanisch El Pueblo — liegt etwa zwei Kilometer vom Meer entfernt, und genau hier eilen die meisten Urlauber achtlos vorbei. Wirklich schade.
Ich lebe seit über zehn Jahren in und um Jávea, und El Pueblo ist immer noch der erste Ort, den ich jedem Besucher zeige. Es ist ruhig, wirklich schön — und an einem warmen Junimorgen, wenn die Sonne gegen neun Uhr die Sandsteinmauern der Kirche trifft, gibt es auf der ganzen Costa Blanca kaum einen schöneren Fleck.
Hier findest du alles, was du für eine Erkundung der Jávea Altstadt wissen musst: von den besten Tapas-Bars und der gotischen Kirche über Parken und Wochenmarkt bis zu versteckten Ecken, die selbst viele Expats noch nicht entdeckt haben.
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Anders als viele Costa-Blanca-Orte, die vom Tourismus verschluckt wurden, hat El Pueblo seine Authentizität erstaunlich gut bewahrt. Die Gassen sind eng und schattig, gesäumt von alten Sandsteinhäusern aus dem lokalen Tosca-Stein — demselben goldgrauen Stein, aus dem die Kirche gebaut ist. Keine Souveniirläden mit Kühlschrankmagneten. Stattdessen gibt es eine lokale Bäckerei, einen Metzger, der seit dreißig Jahren hier arbeitet, ein paar Eisenwarenläden und Terrassen, an denen dieselben Männer seit Jahrzehnten ihren Morgenkaffee trinken.
Allein die Architektur rechtfertigt einen Umweg. Die Iglesia de San Bartolomé ist eine Wehrkirche aus dem 14. und 15. Jahrhundert im gotisch-renaissance Stil — fast einzigartig an dieser Küste. Sie wurde zur Verteidigung gebaut: dicke Mauern, schmale Fenster, ein angebauter Wachturm. Geh rein, wenn sie geöffnet ist; der Innenraum ist schlicht, aber beeindruckend.
Direkt vor der Kirche ist die Plaza de la Iglesia der soziale Mittelpunkt der Altstadt — mit mehreren Café-Terrassen und sonntäglichem Treiben von Einheimischen und Urlaubern.
Die besten Aktivitäten in Jáveas Altstadt
Der Sonntagsmarkt — Jeden Sonntagmorgen von ungefähr 9 bis 14 Uhr findet in der Altstadt ein Straßenmarkt statt. Kleiner und lokaler als der Dienstagmarkt im Hafen: frisches Obst und Gemüse, Blumen, Käse, Brot, Keramik und lokaler Honig. Hier bekommt man eine Tüte Tomaten de pera (Birnenförmige Tomaten) für ein paar Euro — ideal für einen Snack unterwegs. Der Markt erstreckt sich entlang der Carrer Major und in einige Seitenstraßen.
Museum Soler Blasco — In einem schönen alten Gebäude gleich neben der Plaza de la Iglesia befindet sich dieses kleine archäologische Museum mit Funden aus der Jávea-Umgebung von der Bronzezeit über die Iberer bis zu den Römern. Eintritt kostenlos oder minimal, Besichtigung dauert etwa 45 Minuten. Überraschend interessant für alle, die neugierig sind, wer vor 2.000 Jahren auf diesem Kap gelebt hat.
Schlendern durch die Carrer Major und Seitengassen — Die Hauptstraße der Altstadt ist die Carrer Major — die Wirbelsäule von El Pueblo. Schlendere sie langsam entlang. Halt bei der Bäckerei, kauf eine Ensaimada oder lokale Kekse. Schau nach oben zu den gemeißelten Steinportalen und schmiedeeisernen Türklopfern. Die Seitengassen Richtung Süden werden zunehmend ruhiger und atmosphärischer.
Tapas und Wein auf dem Platz — Mittagessen in der Altstadt ist eines der großen Vergnügen in Jávea. Die Bar Mena auf der Plaza de la Iglesia serviert seit Jahrzehnten ehrliche Tapas ohne Schnickschnack: Croquetas, Boquerones, Patatas Bravas — und der Hauswein kommt in einem kühlen Tonkrug. La Bodegueta nebenan bietet eine gepflegtere Auswahl spanischer Weine. Keine Strandpreise hier — aber auch nicht die Strandqualität.
El Llavador (Altes Waschhaus) — Dieses Kleinod besucht fast niemand, weshalb ich es immer gerne erwähne. Am Rand der Altstadt liegt ein restauriertes öffentliches Waschhaus aus dem 19. Jahrhundert — ein kleines Denkmal, das vollkommen kostenlos besichtigt werden kann. Fotogen, charmant und von Reiseführern völlig ignoriert.
Praktische Tipps für den Besuch
Anreise: El Pueblo liegt etwa 10 Fahrminuten vom Hafen oder La Arenal entfernt. Im Juni ist der Spaziergang von La Arenal in die Altstadt (ca. 25–30 Min.) morgens vor der Hitze sehr angenehm.
Parken: An der Calle Lepanto gibt es einen kostenlosen Gemeindeparkplatz, der unter der Woche fast immer Plätze hat. Sonntags beim Markt: vor 9 Uhr ankommen oder 20 Minuten Kreisfahren einplanen. Die engen Gassen der Altstadt selbst sollte man mit dem Mietwagen lieber meiden.
Beste Reisezeit: Juni ist ein wunderbarer Monat für die Altstadt — warm genug für echte Terrassenfreude, aber noch nicht so voll wie Juli und August. Morgens (8:30–11:30 Uhr) und am späten Nachmittag (18:00–20:30 Uhr) sind die angenehmsten Zeiten.
Juni-Abendtipp: Mitte bis Ende Juni lebt die Altstadt an Donnerstagabenden richtig auf — Freiluftkonzerte und Kulturveranstaltungen auf der Plaza de la Iglesia im Vorfeld der Fogueres de Sant Joan (Jáveas Johannisfeuer am 23./24. Juni). Absolut sehenswert!
Ferienwohnungen in der Nähe der Altstadt
Wer in oder bei El Pueblo übernachtet, kann morgens vor dem großen Touristentrubel auf einen Kaffee hinunterschlendern — eine sehr gute Art, einen Juniurlaub zu beginnen. Es gibt hervorragende Ferienwohnungen in Jávea in der Nähe der Altstadt, von traditionellen Stadthäusern im historischen Kern bis zu modernen Villen am Hang mit Meerblick.
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Ein letzter Gedanke
Jávea hat drei Gesichter: die Altstadt, den Hafen und den Strand. Die meisten Urlauber verbringen den Großteil ihrer Zeit am Strand, was völlig verständlich ist. Aber wer Jávea besucht, ohne wenigstens einen Morgen durch El Pueblo zu schlendern, auf der Plaza de la Iglesia zu frühstücken und diese außergewöhnliche Wehrkirche zu besichtigen, hat das Beste ausgelassen.
Geh an einem Sonntag. Komm früh. Kauf Tomaten auf dem Markt. Setz dich in den Schatten. Du wirst verstehen, warum Leute wie ich nie wirklich abreisen.



