Wenn man die meisten Touristen nach der Altstadt von Benidorm fragt, erntet man oft nur ein Schulterzucken. Kein Wunder: Die Mehrheit der Besucher — jene, die ihre Tage am Levante-Strand verbringen — findet sie schlichtweg nie. Nach zehn Jahren an der Costa Blanca bleibt die Altstadt (El Casco Antiguo) für mich der am meisten unterschätzte Flecken der gesamten Küste.
Hoch oben auf dem Felsvorsprung, der Levante- und Poniente-Strand voneinander trennt, liegt das alte Viertel — genau dort, wo Benidorm einst begann: als kleines Fischerdorf, das sich an einer Klippe über dem Mittelmeer festklammerte. Die Wolkenkratzer mögen alles ringsherum verschluckt haben, doch hier oben geben weiß getünchte Wände, Terrakottadächer und eine Kirche aus dem 16. Jahrhundert noch immer den Ton an.
So kommt man in Benidorms Altstadt
Vom Levante-Strand aus geht man südlich entlang der Promenade bis zum Vorgebirge. Es gibt eine steile, in den Fels gehauene Treppe auf der Cala-Seite — oder man nähert sich von Poniente über die Calle Mayor. In jedem Fall sollte man vom Hauptstrand etwa 15 Minuten Fußweg einplanen. Parken in Benidorm Altstadt ist notorisch schwierig; am besten nutzt man das Parkhaus an der Plaza de la Hispanidad (ca. 1,50 €/Stunde) und geht zu Fuß hinauf.
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Der Mirador del Castillo: Der schönste Aussichtspunkt in Benidorm
Bevor man sich weiter umschaut, sollte man direkt zum Mirador del Castillo gehen — dem Burgaussichtspunkt an der äußersten Spitze des Vorgebirges. Das ist ohne jede Einschränkung der beste kostenlose Aussichtspunkt an der gesamten Costa Blanca. An einem klaren Maimorgen — und Maimorgen hier sind fast immer klar — sieht man den vollständigen Bogen beider Strände, die Insel L'Illa de Benidorm vor der Küste und an den klarsten Tagen die Silhouette Ibizas am Horizont.
Ich habe Dutzende von Erstbesuchern hierher gebracht, und die Reaktion ist immer dieselbe: Staunen, dann reflexartiges Greifen nach dem Handy. Zum Sonnenuntergang ist es besonders schön — der Himmel über Poniente färbt sich bernsteinfarben und die Wolkenkratzer sehen aus diesem Blickwinkel tatsächlich beeindruckend aus. Früh morgens im Mai hat man den Platz fast für sich allein.
Die Kirche San Jaime und Santa Ana
Nur wenige Schritte vom Mirador entfernt steht die Iglesia de San Jaime y Santa Ana, Benidorms Pfarrkirche aus dem 16. Jahrhundert. Die blau gekachelte Kuppel ist vom Strand aus sichtbar und zu einem der meistfotografierten Wahrzeichen der Stadt geworden — richtig zu würdigen ist sie jedoch erst, wenn man direkt davor steht.
Die Kirche ist üblicherweise vormittags geöffnet (etwa 10:00–12:30 Uhr) und vor der Abendmesse. Im Inneren ist es schlicht und angenehm kühl — eine willkommene Erfrischung von der Maihitze — mit einem schönen Altarbild und jener eigentümlichen Stille, die man nur in alten spanischen Kirchen findet.
Die Gassen: Angenehm verloren gehen
Das eigentliche Vergnügen in Benidorms Altstadt ist das Schlendern. Die Gassen sind eng, autofrei und wirklich charmant — die Calle Sant Pere, die Calle de la Virgen del Sufragio, die kleinen Gässchen, die sich plötzlich zu blumengeschmückten Balkonen öffnen. Im Mai blüht die Bougainvillea in leuchtendem Lila und die Luft duftet nach Jasmin statt nach Sonnencreme.
Einige besonders lohnende Orte:
- Plaza del Tío Cuc: Ein winziger Platz, ruhiger als die Hauptplaza und bei Einheimischen beliebt.
- Calle Esperanza: Eine der steilsten und fotogensten Straßen des alten Viertels.
- Playa de la Cala: Der kleine Strand unterhalb des Vorgebirges, erreichbar über Treppen vom alten Viertel. Felsig und ruhig — eine echte Erholung von den Hauptstränden.
Essen und Trinken in der Altstadt
La Cava Aragonesa (Calle Santo Domingo) ist eine Tapas-Bar, die es schon seit einer gefühlten Ewigkeit gibt, mit einer guten Auswahl lokaler Weine aus der Marina Alta und einer Hinterterrasse für kaum zehn Personen. Die Gambas al Ajillo (Garnelen in Knoblauchöl) sind absolut authentisch.
Restaurante El Rincón de Antonio serviert traditionelle valencianische Reisgerichte — Arròs amb fesols i naps (Reis mit Bohnen und Rüben) ist das hyperregionale Gericht, das außerhalb der Region kaum jemand kennt, und es ist außergewöhnlich gut. Am Wochenende unbedingt reservieren.
Für ein Getränk mit Aussicht empfiehlt sich die kleine Barterrasse der La Vieja Bodega in der Calle Mayor, die ab mittags kaltes Estrella Damm ausschenkt.
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Wann die Altstadt besuchen?
Mai ist ideal. Die Massen des Juli und August sind noch nicht da, die Temperaturen sind perfekt zum Schlendern (23–27 °C an den meisten Tagen) und die Restaurantterrassen haben gerade ihre Außenbestuhlung aufgestellt. Ende Mai feiert die Kirche ein kleines Fest zu Ehren der Heiligen Anna — bescheiden, lokal, und genau die Art von Erlebnis, die in keinem Reiseführer steht.
Sonntagnachmittage sollte man meiden, wenn man essen möchte; viele der kleineren Lokale in der Altstadt schließen sonntags abends.
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