Wer das Mittelmeer nur von oben kennt, verpasst buchstäblich die Hälfte der Show. Schnorcheln in Albir gehört zu jenen Erlebnissen, die einen Badeurlaub in eine Geschichte verwandeln, die man jahrelang erzählt. Das Wasser ist im Juni angenehme 22 bis 24 Grad warm — warm genug, um stundenlang darin zu bleiben — und an einem ruhigen Morgen kann die Sichtweite 15 Meter und mehr betragen. Ich lebe seit zehn Jahren an der Costa Blanca und suche trotzdem noch jeden Sommer nach Gründen, Maske und Flossen zu schnappen.
Albir grenzt unmittelbar an den Naturpark Serra Gelada, ein geschütztes Meeresreservat, das Motorboote von den felsigen Küstenabschnitten praktisch ausschließt. Diese eine Tatsache verändert alles. Keine Jetskis, die über einem kreisen, keine Bootsanker, die Posidonia-Wiesen zerpflügen, keine Schraubenwirbelei, die das Wasser trübt. Was man stattdessen bekommt, ist einiges der klarsten und unberührtesten Mittelmeerwassers an der gesamten Costa Blanca.
Warum der Juni ideal zum Schnorcheln in Albir ist
Juni ist, ohne Übertreibung, der ideale Monat. Das Meer hat drei Monate Zeit gehabt, sich vom Winterminimum aufzuwärmen, hat aber noch nicht die Hochsommertemperaturen erreicht, die — paradoxerweise — durch Algenblüte die Sicht verschlechtern können. Der Strand von Playa del Albir ist belebt, aber nicht überfüllt wie im August. Frühe Morgenstunden vor 9 Uhr sind besonders schön: spiegelglattes Wasser, flach einfallendes Licht unter der Oberfläche, und die Felsabschnitte hat man oft fast für sich allein.
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Unterkünfte ansehen →Der vorherrschende Wind im Juni ist der Llevant aus Nordost, der gelegentlich etwas Wellengang erzeugt. Schaut vor dem Ausflug auf Windguru oder Windy — bei mehr als 15 Knoten ist das Südende von Playa del Albir windgeschützter und ruhiger.
Die besten Schnorchel-Spots rund um Albir
1. Das felsige Südende von Playa del Albir
Die meisten Besucher steuern direkt die Kieselstrand-Mitte an — gut zum Schwimmen, aber wenig interessant zum Schnorcheln. Lauft stattdessen zum Südende des Strands, wo Felsen auf Sand treffen. Innerhalb von 20 Metern vom Ufer finden sich knietiefe Felspfützen, die in tiefere Rinnen übergehen. Oktopusse verstecken sich unter flachen Felsen — wer sich langsam bewegt und genau hinschaut, findet sie. Ich habe in einer einzigen Morgensession drei entdeckt.
2. Punta Bombarda und die Küste am Leuchtturm
Der Weg zum Leuchtturm von Albir (Faro de l'Albir) führt an dramatischen Steilküstenabschnitten entlang, wo die Serra Gelada senkrecht ins Meer fällt. An mehreren Stellen kann man auf flache Felsplatten hinabklettern und ins Wasser gleiten. Die Tiefe nimmt schnell zu — das bedeutet größere Fische: Geißbrassen (sargo), Lippfische (donzella) in leuchtendem Grün und Orange, und im Juni sieht man oft Schwärme von Sattelbrassen (oblada) in der Wassersäule. Der Grund wechselt zwischen Felsriff und Posidonia-Seegraswiesen — Posidonia ist quasi die Kinderstube des Mittelmeers, und die Artenvielfalt darüber ist spürbar höher.
Praktischer Hinweis: Der Zugang zu diesen Punkten erfordert Klettern über Felsen. Tragt Badeschuhe oder alte Turnschuhe, und prüft die Dünung, bevor ihr euch hineinbegebt — selbst 0,5 Meter Swell können den Einstieg und vor allem den Ausstieg schwierig machen.
3. El Racó de l'Albir (Nordende)
Am Nordende des Strands, hinter den letzten Strandrestaurants, liegt eine ruhigere Felsenbucht, die Einheimische El Racó nennen. Das flachere, ruhigere Wasser eignet sich hervorragend für Kinder oder Anfänger. Ihr werdet reichlich salpa (Goldstrieme), Preußenfische an den Felsen und — bei etwas Glück — eine Seegurke sehen. Nicht spektakulär, aber Kinder lieben sie.
4. Das Meeresreservat Serra Gelada (per Kajak)
Für erfahrene Schnorchler, die weitere Strecken zurücklegen möchten, ist die Küste des Naturparks Serra Gelada Richtung Benidorm außergewöhnlich. Ohne Kajak (Verleih in Albir ab ca. 15 €/Stunde) kommt man an die interessantesten Stellen nicht heran, aber die Kombination aus Tiefwasserwänden, Höhlenöffnungen und geschützter Meeresfauna ist den Aufwand wert. Ich bin einmal entlang einer Wandsektion nahe Cap de la Neu getrieben und habe in unter einer Stunde siebzehn Arten gezählt. Muränen, Meeraal in den dunkleren Spalten, und wenn man Glück hat, einen Mero (Brauner Zackenbarsch) — sie können 50 Kilo schwer werden und schauen einen mit einem Ausdruck völliger Verachtung an.
Was ihr seht: Albirs Unterwasserwelt im Juni
- Oktopus — unter flachen Felsen in 1–3 m Tiefe, besonders morgens
- Lippfisch (donzella) — leuchtendes Grün-Orange, sehr häufig an Felsriffen
- Geißbrasse (sargo) — silbrig mit zwei schwarzen Bändern, neugieriger Fisch
- Sattelbrasse (oblada) — Schwarmfisch in offenem Wasser
- Preußenfisch (castañuela) — revierverteidigend, dunkelblau-schwarz
- Seeigel — häufig auf felsigem Untergrund; Hände nicht blind irgendwo hinlegen
- Posidonia-Seegraswiesen — Zeichen sauberen Wassers; kleine Garnelen und Jungfische zwischen den Halmen
- Quallen — Im Juni besteht moderate Gefahr von Pelagia noctiluca, der leuchtenden Qualle. Wunderschön, aber sie brennt. Mit Meerwasser abspülen (nie Süßwasser).
Ausrüstung: Was mitbringen und wo kaufen oder leihen
Leihen: Mehrere Läden an der Avenida de la Marina verleihen einfache Schnorchel-Sets für 5–8 €/Tag. Prüft den Maskensitz, bevor ihr zusagt.
Kaufen: Die Bazare in der Haupteinkaufsstraße haben überraschend brauchbare Einsteiger-Sets für 12–20 €. Für Marken wie Cressi oder Mares ist das Sportgeschäft in Altea (10 Minuten mit Bus oder Auto) die bessere Wahl.
Unbedingt einpacken: Hoher Lichtschutzfaktor für Rücken und Oberschenkel (ihr liegt horizontal in der Sonne), UV-Shirt für empfindliche Haut, Badeschuhe für Felseinstiege, Unterwasserkamera oder wasserdichte Handyhülle.
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Die ideale Unterkunft für einen Schnorchelurlaub in Albir liegt nah genug am Strand, dass ihr früh morgens loslegen könnt, bevor der Wind aufkommt. Unsere Ferienwohnungen in Albir bieten Apartments mit Meerblick, privatem Pool und Außendusche — perfekt für salzwasserlastige Tage.
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Abschließende Tipps nach zehn Jahren am Wasser
Geht früh. Das Licht ist besser, das Wasser ruhiger, die Massen schlafen noch. Eine von Sonnencreme beschlagene Maske ist eine der ärgerlichsten Erfahrungen beim Schnorcheln — nutzt Anti-Beschlag-Spray oder reibt einfach die Innenseite des Glases mit roher Kartoffel ab und spült nach. Klingt seltsam. Funktioniert.
Das Schnorcheln in Albir ist kein Rotes Meer und keine Malediven — aber es liegt direkt vor eurer Haustür, kostet nichts und ist auf seine stille mediterrane Art wirklich schön. Und ein Oktopus, der euch von unter einem Felsen aus beobachtet, ist genauso aufregend wie in den Tropen.

